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Tā Hā

[2018]

 

Kompositionsauftrag des impuls Festivals 

 

 

Besetzung: großes Ensemble

Dauer: 11'

Entstehung: 04.10.2017 - 02.10.2018

Entstehungsorte: Berlin_Huddersfield_Salzburg_Istanbul_Mönchengladbach_Kalv_Wien

Widmungsträger: Alberto Posadas und Klangforum Wien 

 

 

Aufführungshistorie: 

  • 15.02.2018_impuls Festival_Graz_Klangforum Wien_Ilan Volkov

 

 https://www.klangforum.at/blog-detail/ulus-ta-ha.html

 

 

Werkkommentar: 

Tā Hā (طه) ist der erste Vers der 20. Sure des Koran. Es handelt sich um zwei Buchstaben aus dem arabischen Alphabet, deren Exegese im koranischen Kontext durch die Islamwissenschaften nicht vollständig geklärt ist. Sie werden „abgetrennte Buchstaben“(ḥurūf muqaṭṭaʿa) oder – die metaphysische Kraft dieser betonend – die geheimnisvollen oder mystischen Buchstaben genannt. 29 der 114 Suren des Koran beginnen mit einer jeweils unterschiedlichen Buchstabenkombination. Ihre Funktion liegt – neben der strukturellen Funktion der Eröffnung der Suren – in ihrer akustisch-ästhetischen Qualität begründet. Die Rezitation dieser einleitenden Buchstaben ist kraftvoll, sie offenbart ein ästhetisches Erleben, das sich seiner metaphysischen Kraft bewusst ist: Der Koran wird durch die Rezitation als eine akustisch erfahrbare ästhetische Kraft aufgefasst, die explizit das Sensuelle betont und somit den perzipierenden Menschen fokussiert; die Rezitation ist den Prinzipien der Humanitas verpflichtet.

Die Koran-Rezitation ist mit ihrem hoch entwickelten Regelwerk (Tajweed) eine der anspruchsvollsten Gattungen der arabischen Kunstmusik. Im Tajweed werden Parameter wie Aussprache, Dauer, Atmung, Ornamentik und Zäsurensetzung im Detail festgelegt.

Meinem Werk Tā Hā für großes Ensemble liegt diese Sure in einer Rezitation durch Sheikh Shuraim – einem Vertreter des Murattal-Stils, welche eine schnelle und dichte Vortragsweise ist – zugrunde. Die Rezitation ist Inspiration und Ausgangspunkt. Ich habe die aus 135 Versen bestehende Sure auf ihr musikalisch-energetisches und ästhetisches Potential analysiert und die daraus gewonnenen Erkenntnisse künstlerisch verarbeitet. Dieser transkulturelle Ansatz, diese Hybridisierung ist relevant für mein gesamtes Werk. Tā Hā ist Teil des Polywerks Haddsch.