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Auslöschung II

[2019]

Auftragswerk des AuditivVokal für das Projekt "Vokalmusik für einen europäischen Dialog"

 

Text: nach Thomas Bernhard

Besetzung: 10 Stimmen (SSSAA-TTTBB)

Dauer: 7'

Entstehung: 08.04.2019 - 14.07.2019

Entstehungsorte: Dresden_Manchester

Widmungsträger: AuditivVokal Dresden

 

Aufführungshistorie: 

  • 09.11.2019_Kulturpalast Dresden_AuditivVokal Dresden, Dir.: Olaf Katzer
  • 14.09.2019_chor.com_Hannover_AuditivVokal Dresden, Dir.: Olaf Katzer UA

Werkkommentar: 

 

„Nach und nach müssen wir alles ablehnen, nach und nach gegen alles sein, um ganz einfach an der allgemeinen Vernichtung, die wir im Auge haben, mitzuwirken, das Alte auflösen, um es am Ende ganz und gar auslöschen zu können für das Neue. Das Alte muß aufgegeben werden, vernichtet werden, so schmerzhaft dieser Prozeß auch ist, um das Neue zu ermöglichen, wenn wir auch nicht wissen können, was das Neue sei, aber, daß es sein muß wissen wir, es gibt kein Zurück. Natürlich haben wir, wenn wir so denken, alles Alte gegen uns und also haben wir Alles gegen uns. Das darf uns aber nicht hindern, unsere Idee, das Alte gegen das von uns gewünschte Neue einzutauschen, zunichte zu machen. Alles aufgeben, alles abstoßen, alles auslöschen letzten Endes.“ 

 

Thomas Bernhard

 

 

 

Der Titel des Werks bezieht sich auf den gleichnamigen Roman (1986) von Thomas Bernhard. Wie in vielen Romanen Bernhards ist die Überwindung des Heimatkomplexes das Hauptthema: Den Provinzialismus auslöschend, ist es ein Plädoyer für den Kosmopolitismus. Das demokratische Moment liegt sowohl hier, als auch direkt in der kompositorischen Struktur begründet. 

 

In den sogenannten Bernhard-Blöcken werden Textfragmente aus dem Roman verwendet, wobei nicht Textverständnis, sondern die innermusikalische Kraft der Texte von Bedeutung ist. Sie tragen die Vortragsbezeichnung „so schnell wie möglich, unverständlich, zischend, undeutlich, atemlos, fragil“. Der Text löst sich in Klang auf. Die große innere Angespanntheit der Textfragmente ist gepaart mit den sogenannten geheimnisvollen Buchstaben des Koran (ḥurūf muqaṭṭaʿa), welche die selbe Energie aufweisen. Die musikalischen Energien Bernhard’scher Texte und der Koranrezitation sind also die wichtigsten zwei Einflüsse für das Werk. 

 

Auslöschung II ist auf drei Ebenen als Polywerk konzipiert:

  1. Es ist Teil meines Bernhard-Zyklus, welches aus den vier Werken Beton (2017/18) für Frauenstimme mit Klangobjekten, vier Klarinetten und Elektronik, Auslöschung (2019) für Bass mit Klangobjekten, Auslöschung II für 10 Stimmen und Karōshi für Sopran mit Klangobjekten besteht. 
  2. Dieser Vokalzyklus ist wiederum Teil des größeren Polywerks Hajj, das noch im Entstehen ist. 
  3. Auslöschung II beinhaltet Teile von Auslöschung.